Übersicht
Was ist Knoblauch?
Knoblauch gehört zur Gattung Lauch (Allium) innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse. Arzneilich und kulinarisch genutzt wird die Zwiebel (Allii sativi bulbus), die aus einer Hauptzehe und mehreren Nebenzehen besteht, die von einer gemeinsamen trockenen Hülle umschlossen sind.
Geschichte
1. Antike
Schon vor über 5.000 Jahren wurde Knoblauch in Zentralasien kultiviert.
Ägypten: Knoblauch war so wertvoll, dass er den Pyramidenbauern als tägliche Ration gegeben wurde, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und Infektionen vorzubeugen. Es wird berichtet, dass es sogar zu Streiks kam, wenn die Knoblauchrationen gekürzt wurden.
Griechenland: Die ersten Olympioniken der Antike nutzten Knoblauch als „Dopingmittel“, um ihre Ausdauer zu steigern.
Rom: Römische Soldaten aßen ihn vor Schlachten, da man glaubte, er verleihe Mut und Kampfgeist.
2. Mittelalter: Schutz gegen Pest
Im Mittelalter vermischten sich Medizin und Aberglaube.
Pest: Während der großen Pestepidemien trugen Ärzte Masken, die mit Kräutern und Knoblauch gefüllt waren. Auch wenn es gegen die Pestbakterien selbst wenig half, hielt der starke Geruch Flöhe fern, welche die Krankheit übertrugen.
Mythologie: Der Glaube, Knoblauch schütze vor Vampiren oder dem „bösen Blick“, rührt vermutlich von seiner starken antimikrobiellen und abwehrenden Wirkung gegen Parasiten her.
3. Neuzeit: Antibiotikum
Bevor Penicillin entdeckt wurde, war Knoblauch im Ersten und Zweiten Weltkrieg ein Standardmittel zur Wunddesinfektion, um den „Gasbrand“ (eine gefährliche Infektion) zu verhindern.
Heilkunde
Die moderne Wissenschaft bestätigt viele der antiken Vermutungen. Die Wirkung basiert primär auf den enthaltenen Schwefelverbindungen (Sulfiden).
Herz-Kreislauf-System
Blutdruck: Knoblauch fördert die Bildung von Schwefelwasserstoff in den Gefäßen, was zu einer leichten Entspannung der Gefäßwände und somit zur Senkung des Blutdrucks führen kann.
Cholesterin: Er kann die körpereigene Cholesterinsynthese in der Leber leicht hemmen und so zur Verbesserung der Blutfettwerte beitragen.
Arteriosklerose: Knoblauch wirkt der Verklebung von Blutplättchen entgegen (Antithrombotisch) und hält die Gefäße elastisch.
Immunsystem und Infektabwehr
Natürliches Antibiotikum: Das Allicin im Knoblauch wirkt direkt gegen Bakterien, Viren und Pilze (antimikrobiell).
Antioxidans: Er schützt die Zellen vor freien Radikalen und stärkt so die allgemeine Immunantwort.
Verdauung
Knoblauch wirkt präbiotisch (nährt gute Darmbakterien) und kann bei Blähungen sowie Gärungsprozessen im Darm lindernd wirken.
Gewinnung und Verarbeitung
Anbau: Die Vermehrung erfolgt meist vegetativ durch das Stecken einzelner Zehen im Herbst oder Frühjahr.
Ernte: Sobald das obere Laub vergilbt, werden die Zwiebeln gezogen und getrocknet.
Verarbeitungsformen: Frisch, getrocknet (Pulver), als Ölauszug oder als “Schwarzer Knoblauch” (durch kontrollierte Fermentierung/Maillard-Reaktion).
Eigenschaften
Geruch: Im unverletzten Zustand fast geruchlos. Erst bei mechanischer Zerstörung der Zellen entsteht der typische, stechende Geruch.
Hauptwirkstoff: Das geruchlose Alliin. Durch das Enzym Alliinase wird es beim Schneiden oder Pressen in das geruchsintensive Allicin umgewandelt.
Schwefelverbindungen: Diese sind für die antioxidative Wirkung, aber auch für die Ausdünstung über Haut und Atemwege verantwortlich.
Inhaltsstoffe
| Komponente | Gehalt pro 100 g (ca.) |
| Wasser | 60 – 65 g |
| Kohlenhydrate | 28 g (davon v.a. Inulin) |
| Protein | 6 g |
| Schwefelverbindungen | Allicin, Ajoen, Diallylsulfid |
| Mineralstoffe | Selen, Mangan, Vitamin C & B6 |
Sensorik
Geschmack: Scharf, brennend (frisch); süßlich-mild und nussig (geröstet oder fermentiert).
Textur: Fest und knackig im rohen Zustand; butterweich beim Garen.
Verwendung
Kulinarik: Universelles Gewürz in fast allen Weltküchen. Wirkt geschmacksverstärkend und harmoniert besonders mit Fetten und Säuren.
Pharmazeutik: Anerkannt zur Vorbeugung von altersbedingten Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) und zur Unterstützung der Fließeigenschaften des Blutes.
Antimikrobielle Wirkung: Wirkt leicht antibakteriell und antiviral (“natürliches Antibiotikum”).
Sonstiges
Lagerung: Kühl, trocken und luftig. In Plastiktüten beginnt Knoblauch schnell zu schimmeln; im Kühlschrank verliert er an Aroma oder treibt aus.
Qualität: Eine gute Knolle sollte fest sein und keine grünen Triebe zeigen. Keime im Inneren der Zehe deuten auf Überlagerung hin und können bitter schmecken.
Hinweis zur Anwendung: Die beste Wirkung entfaltet Knoblauch, wenn er nach dem Schneiden ca. 10 Minuten ruht, bevor er erhitzt wird. So hat das Enzym Zeit, das wertvolle Allicin vollständig zu bilden. Bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten sollte die therapeutische Nutzung von Knoblauchpräparaten mit einem Arzt abgesprochen werden.
